Beinahe 10 Jahre nachdem Lars Antonissen seinen letzten Continental Cup absolviert hat, taucht mit Henri van Dillen ein neues niederländisches Skisprungtalent im internationalen Wettbewerb auf. Welchen Weg verfolgte das Skispringen in den Niederlanden bisher? Und welcher steht uns allen bevor?
Zum möglicherweise neuen Stern am niederländischen Skisprunghimmel kommen wir noch. Starten wir aber erstmal mit denjenigen, die ihr Glück zuletzt in dieser Sportart versucht haben. Dafür müssen wir den Blick etwas weiter in die Vergangenheit richten. Wer auf der Suche nach Skispringern aus den Niederlanden in den 2020er-Jahren nachsieht, wird auf keine Ergebnisse stoßen. Tatsächlich erfolgte der letzte Start eines niederländischen Skispringers am 01.10.2016. Bis dahin gab es aber zumindest ein kleines und ambitioniertes Dutch Skijumping Team aus vier Athleten. Dies hat sich jedoch nach und nach vom Sport verabschiedet.
Rico de Jong – Punkte im Continental Cup blieben aus
Im Jahr 1994 geboren, versuchte sich Rico de Jong immer wieder im FIS Cup sowie im Continental Cup. Dabei erreichte er im FIS Cup, einem Springen der dritten Liga des Skispringens, gleich zweimal den 4. Platz. Dies hört sich nach einer beachtenswerten Leistung an. Betrachtet man die Konkurrenz, muss der Jubel jedoch gedämpft werden. Denn bei dem Wettkampf in Rumänien im Jahr 2012 waren allein heimische Springer sowie Nachwuchsathleten aus der Ukraine und den Niederlanden am Start. Im 18 Skispringer starken Teilnehmerfeld auf Platz 4 zu landen, war dennoch nicht schlecht. Dass die Leistungsstärke von Rico de Jong nicht besonders ausgeprägt war, zeigte sich aber in den Continental Cup-Platzierungen. In der zweiten Liga des Skispringens kam der Niederländer nicht über einen 43. Platz hinaus. Diese Platzierung in Iron Mountain war gleichzeitig auch der letzte internationale Auftritt de Jongs. Wir schreiben das Jahr 2013.
Ruben de Wit und Oldrik van der Aalst erreichen Top 30-Platzierungen im COC
Schon etwas besser schlugen sich die 1995 geborenen Ruben de Wit und Oldrik van der Aalst. Ihr bestes FIS Cup-Resultat erzielten beide am 16.02.2013 im US-Amerikanischen Brattleboro. Während de Wit Platz 7 erreichte, konnte van der Aalst mit dem 4. Platz aufwarten. Auch bei diesem Wettbewerb war das Teilnehmerfeld nicht allzu üppig besetzt, die Leistung der beiden niederländischen Skispringer ist jedoch höher einzuschätzen als die ihres Teamkollegen Rico de Jong. Dies beweisen die beiden auch im zweitklassigen COC. Im Februar 2013 erreichte van der Aalst mit einem 28. Platz in Iron Mountain als erster Springer den zweiten Durchgang. De Wit zog einen Monat später in Vikersund nach und belegte ebenfalls Platz 28. Es sollten die einzigen zweiten COC-Durchgänge ihrer Karriere bleiben. Insbesondere Oldrik van der Aalst schrammte immer wieder an den Top 30 vorbei. Die ausbleibenden Erfolge führten dann wohl auch zum Schritt in Richtung Karriereende. Ruben de Wit verabschiedete sich Ende Dezember 2014 in Engelberg von der internationalen Skisprung-Bühne. Oldrik van der Aalst folgte ihm etwa drei Monate später nach einem 38. Platz beim Continental Cup in Seefeld zum Abschluss.
Ein niederländischer Skispringer im Weltcup – Lars Antonissen macht es möglich
Mit Lars Antonissen blieb im Jahr 2015 nur noch einer der ursprünglich vier Nationalspringer übrig. Im FIS Cup konnte Antonissen nie einen einstelligen Platz erzielen. Dafür gelang es dem Niederländer insgesamt sieben Mal, den zweiten Durchgang eines COC-Springens zu erreichen. Als beste Platzierung seiner Karriere steht so ein 21. Platz in den Geschichtsbüchern. Diesen belegte er am 18.01.2015 in Sapporo. Die Punkte im COC berechtigten den letzten aktiven Skispringer aus den Niederlanden übrigens dazu, auch im Weltcup anzutreten. Während de Wit und van der Aalst diese Option trotz ihrer Continental Cup-Punkte nie wahrnahmen, versuchte sich Lars Antonissen immerhin ein Wochenende lang im Skisprung-Weltcup. Am 15.03.2026 ließ Antonissen in der Qualifikation von Oslo ganze 19 Skispringer hinter sich und qualifizierte sich souverän für den Wettkampf. Wie im nachfolgen Video zu sehen ist, konnte er dort aber nicht an die Quali-Leistung anknüpfen. Der einzige Weltcup-Auftritt eines niederländischen Skispringern in den letzten 20 Jahren endete mit dem 51. und letzten Platz. Nach einigen weniger erfolgreichen Teilnahmen im COC und FIS Cup beendete schließlich auch Lars Antonissen mit inzwischen 21 Jahren seine Skisprungkarriere.
Lange nichts Neues vom niederländischen Skispringen
Nach dem Karriereende des letzten Springers des Dutch Skijumping Teams wurde es dann erst einmal ruhig um die Sporart. Auch im Frauen-Skispringen hatten dem Skispringen mit Lara Thomae und Wendy Vuik inzwischen die einzigen Vertreterinnen den Rücken gekehrt. Da half es auch nicht, immer wieder die Datenbanken der FIS nach aktiven nordischen Skisportlern aus der nicht ganz so klassischen Wintersport-Nation zu durchforsten. Es war einfach niemand mehr da.
Henri van Dillen – die neue Hoffnung
Diese traurige Leere hielt so lange an, bis ich in den Ergebnissen des FIS Cups in Villach am letzten Wochenende, im August 2026, eine niederländische Flagge erkannte. Ein junger Mann namens Henri van Dillen tauchte in den Start- und Ergebnislisten der beiden Wettkämpfe in Österreich auf. Gemeldet beim KSG Klagenfurt ist er in den Datenbanken des österreichischen Skiverbands gelistet. Die Ergebnisse, zwei 77. Plätze, deuten noch nicht auf herausragendes Talent hin, mit 15 Jahren steht dem Jungen aber möglicherweise noch eine große Zukunft bevor. Trainingsmöglichkeiten sollten in Österreich durchaus in ausreichendem Maße vorhanden sein. Und wer weiß, vielleicht taucht der Niederländer im kommenden Winter auch bei weiteren FIS Cups und COC-Wettbewerben in der Startliste auf. Es wird spannend bleiben, dies zu beobachten. Ebenfalls spannend wird es sein, ob der 17-jährige Niederländer Hugo Nelissen im internationalen Skisprungzirkus aufschlägt. Er ist bei der FIS als aktiver Skispringer gemeldet, hat sich bisher jedoch noch nicht an internationalen Wettkämpfen beteiligt. Vielleicht entwickelt sich aber jetzt so etwas wie ein kleines Dutch Skijumping Team 2.0. Für die Vielfalt des Sports wäre dies nur wünschenswert.
Wechselt Sean Steenbakkers zum Spezialspringen?
Nach der Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees, die Nordische Kombination aus dem Programm der Olympischen Winterspiele zu streichen, bleibt die Zukunft der Sportart ungewiss. Dies könnte den niederländischen Nordischen Kombinierer Sean Steenbakkers in der zukünftigen Karriere ebenfalls zu den Spezialspringern treiben. Der 19-jährige hat im COC der Nordischen Kombination bereits gute Leistungen erzielt und auch schon an Weltcup-Wettbewerben teilgenommen. Dabei waren seine Leistungen im Skispringen immer deutlich stärker als die im Langlauf. Sollte Steenbakkers das Ziel der Olympia-Teilnahme vor Augen schweben, könnte der Weg in die niederländische Skisprung-Nationalmannschaft vorprogrammiert sein. Was die Zukunft des Skispringens in den Niederlanden angeht, bleibt deshalb die Hoffnung, dass es vorwärts geht.
| Name | beste FIS Cup-Platzierung | beste Continental Cup-Platzierung | beste Weltcup-Platzierung |
| Rico de Jong | 4. (Rasnov, 2012) | 43. (Iron Mountain, 2013) | — |
| Ruben de Wit | 7. (Brattleboro, 2013) | 28. (Vikersund, 2013) | — |
| Oldrik van der Aalst | 4. (Brattleboro, 2013) | 28. (Iron Mountain, 2013) | — |
| Lars Antonissen | 13. (Rasnov, 2014) | 21. (Sapporo, 2015) | 51. (Oslo, 2015) |
| Henri van Dillen | 77. (Villach, 2026) | — | — |


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